Aufgewacht und Angedacht

Neues Format: Aufgewacht und Angedacht!

Die alternative Morgenandacht in Zeiten von Social Distancing.

Jeden Mittwoch Morgen findet ihr hier einen neuen Impuls für euren Start in den Mittwoch. Dies kann eine Kurz-Andacht sein oder ein Video, ein Bild, ein Gebet - die Möglichkeiten sind vielfältig.


 

„Aufgewacht und angedacht“ am Mittwoch, den 25. März 2020

„Sicherheitshinweis! Lassen Sie Ihr Gepäck nicht unbeaufsichtigt!“ Wie oft habe ich diese Durchsage auf Bahnhöfen gehört und dann ist es mir doch passiert: Ich bin unterwegs nach Berlin zu einem großen Geburtstagsfest. Auf dem Bahnhof kaufe ich ein paar Blumen für die Freundin, bei der ich übernachten will. Fürs Bezahlen stelle ich kurz meine Reisetasche ab, und als ich wieder danach greifen will, ist sie weg. „Nee, das kann jetzt nicht sein!“, schießt es mir durch den Kopf. „Da hat bestimmt nur jemand das Gepäck verwechselt!“ Aber die Umstehenden, die ich anspreche, zucken nur unbeteiligt mit den Schultern. Langsam sickert es durch: Die Tasche ist wirklich weg! In Gedanken gehe ich durch, worauf ich nun verzichten muss: Mein Lieblingskleid. Die neuen Schuhe. Das Geburtstagsgeschenk, das ich selbst gemacht hatte… Es kommt Einiges zusammen. Wütend und ärgerlich über mich selbst, setze ich alles dran, die Tasche wiederzubekommen. Rede mit dem Mann am Infoschalter. Gehe zur Bahnhofspolizei und gebe eine Verlustanzeige auf. Doch irgendwann beschließe ich, das Ganze anders zu sehen und mich auf die ungeplante Situation einzulassen. Zum Glück erspart die Freundin, bei der ich zu Gast bin, mir Spott und dumme Sprüche und öffnet stattdessen ihren Kleiderschrank: „Hier, ich habe genug. Such‘ dir aus, was du brauchst!“ Es wird eine kleine Kleidertauschparty und dankbar nehme ich an, was sie mir aushilfsweise zur Verfügung stellt.

Eine Ausnahmensituation von viel größerem Ausmaß durchleben wir in diesen Wochen. Eine Passionszeit der besonderen Art. Auch wenn man nichts sieht und den meisten nichts fehlt: Die Lage ist bedrückend und wird es wohl noch eine ganze Weile bleiben. Verzichten müssen wir dabei auf Dinge, die wesentlicher sind, als der Inhalt eines Koffers. Wie lange soll das gehen?! Und trotzdem zeigt sich auch unter - gerade jetzt – die Fähigkeit sich einzulassen auf diese neue Wirklichkeit; kreative Kräfte und Mitgefühl helfen uns dabei: Flashmob mit Applaus und Gesang am offenen Fenster für alle, die pflegen. Freie Krankenhausbetten in Leipzig für Corona-Patient*innen aus Italien. Du selbst lernst, eine Videokonferenz zu machen. Kochst mittags wieder selbst - geht ja, weil du zuhause arbeitest. Du telefonierst endlich mit dem Großvater im Heim. Deine Ängste kannst du dir angucken, dafür ist jetzt Zeit. Du sehnst dich nach deinem Alltag – hättest du das gedacht?

Das alles mitten in der Passionszeit. Der Sonntag, mit dem diese Woche begann, hat den Namen: Lätare – Freut euch! Das kleine Osterfest mitten in der Passion, so wird er oft genannt. Ein kleines Ostern – mittendrin in allem Schamassel, der uns zu schaffen macht. Aufatmen. Aufbrechen. Klarkriegen, was jetzt zu tun ist: Ein schönes Bild um zu fassen, was wir erleben.

Bleibt behütet und bewahrt!
Eure Susanne Kruse-Joost

Gebet

Gnädiger Gott, ich sehne mich nach Normalität.
Nach einem Handschlag, einer Umarmung, einer Berührung.
Lass mich nicht zu lang warten, Gott, hörst Du? Danke.  –
Gott, ich trau mich kaum, es zu sagen.
Aber ich bin auch froh, dass es so anders ist jetzt.
Das Leben fühlt sich friedlicher an als sonst: Freundlicher, langsamer, weniger hektisch.
Für diese Erfahrung danke ich Dir. Und ich bitte dich: Hilf mir dabei,
in meinem Herzen zu bewahren, was ich neu sehen lerne in diesen Tagen. Amen.
(Pastor Johannes Ahrens, Flensburg)

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